Die amerikanische Kinder- und Jugendliteratur umfasst alle literarischen Arbeiten, die für ein Publikum von Kindern und Jugendlichen geschaffen, geschrieben oder überarbeitet wurden und deren Autoren zum Zeitpunkt der Entstehung in den Vereinigten Staaten lebten bzw. in erster Linie für das amerikanische Publikum schrieben.
Wie überall in der Welt ging auch in den Vereinigten Staaten der Entstehung einer gedruckten Kinder- und Jugendliteratur eine reiche Tradition der mündlichen Überlieferung bzw. der Kinderfolklore voraus. Zu den Beständen dieser Tradition zählen u. a. Wiegen- und Kinderlieder, Playground Songs, Kinder-, Hickelkasten-, Seilspring-, Klatschspiel- und Abzählreime, Kinderrätsel, Scherzfragen, Fabeln, Sagen, Legenden, Märchen und Balladen. Weite Teile dieser Überlieferung sind erhalten geblieben und erfreuen sich in den USA bis in die Gegenwart größter Beliebtheit, wie z. B. die meist unter dem Titel „Mother Goose“ zusammengefassten Kinderreime, die mehrheitlich aus Großbritannien stammen, vereinzelt jedoch auch erst in den Vereinigten Staaten entstanden sind.[2]
In großem Umfang wurde in den USA seit jeher europäische Literatur rezipiert. Die griechische Mythologie lernten viele amerikanische Kinder und Jugendliche durch die Nacherzählungen des in Neuengland lebenden Schriftstellers Nathaniel Hawthorne (1804–1864) kennen, der 1852 sein Wonder-Book for Girls and Boys herausbrachte, das so erfolgreich war, dass Hawthorne bald einen weiteren Band, Tanglewood Tales (1853), folgen ließ.
Zu den Grundbeständen amerikanischer Jugendbibliotheken zählten z. B. auch das Little Pretty Pocket-Bool (1744) von John Newbery, die Märchen von Hans Christian Andersen und Lewis Carrolls Kinderromane Alice im Wunderland (1865) und Alice hinter den Spiegeln (1871). Welchen Eindruck die Alice-Romane in den USA machten, zeigt u. a. das Beispiel des New Yorker Schriftstellers Charles E. Carryl (1841–1920), der 1884 ein Sequel (Davy and the Goblin; or, What Followed Reading „Alice’s Adventures in Wonderland“) veröffentlichte.[3]
Im 20. Jahrhundert setzte sich die Rezeption der europäischen Literaturüberlieferung fort. So veröffentlichte etwa der Essayist Hamilton Wright Mabie (1846–1916) in den Jahren 1905–1908 eine Reihe von Bänden mit jugendgerechten Nacherzählungen von Märchen, Sagen und antiken Mythen.[4]
Die 1830er und 1840er Jahre waren die Blütezeit einer Ratgeberliteratur, die Heranwachsende zu Frömmigkeit, Gesundheit und moralisch einwandfreiem Verhalten zu führen bestrebt war. Diese Bücher trugen Titel wie Letters to Young Ladies, The Young Man’s Guide und Lectures to Young Men on Chastity; ihre Autoren waren unter anderem William Buell Sprague (1795–1876), John S. C. Abbot (1805–1877), Lydia Sigourney (1791–1865), Sylvester Graham (1794–1851), Harvey Newcomb (1803–1863), William Andrus Alcott (1798–1859), Louisa C. Tuthill und John Angell James (1785–1859).[5]
Ein Teil der Bestände der mündlichen Literaturüberlieferung wurde seit dem 19. Jahrhundert in Anthologien zusammengefasst, die zunächst vor allem im Haus- und Schulunterricht eingesetzt wurden. Obwohl die Organisation des öffentlichen Schulwesens erst in den 1840er Jahren einsetzte und eine Schulpflicht in den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten erst zwischen 1852 und 1918 eingeführt wurde, bestand bereits seit der Kolonialzeit ein umfangreiches Netz von Privatschulen. Um 1840 waren in den Nordstaaten 90 % der weißen Bevölkerung alphabetisiert, in den Südstaaten 81 %.[6]
Die erste bedeutende Fibel, die auf dem Gebiet der späteren USA publiziert wurde, war der New England Primer (seit 1688/90). 1836 begann die Produktion des McGuffey Readers, von dem bis 1960 mehr als 120 Mio. Exemplare verkauft wurden. Daneben erschienen zahlreiche weitere Lesebücher und Anthologien, wie z. B. Lydia Sigourneys The Girl’s Reading Book (1838) und The Boy’s Reading Book (1839).
Zu den Pionieren des amerikanischen Kinder- und Jugendromans zählt Samuel Griswold Goodrich, der unter dem Pseudonym „Peter Parley“ von 1927 eine vielbändige Serie von unterhaltsam-didaktischen Jugendbüchern veröffentlichte, in denen Wissensgebiete von Geografie über Geschichte bis hin zu den Naturwissenschaften abgedeckt wurden. Jacob Abbott (1803–1879) wurde bekannt durch seine Rollo-Roman, die von 1835 bis 1858 in 28 Bänden erschienen. Daneben verfasste Abbott auch mehrere Mädchenbuchserien, wie die Cousin Lucy- (1841/42) und die Franconia-Romane (1850–54). Von William Simonds (1822–1859), der meist unter dem Pseudonym Walter Aimwell schrieb, stammen u. a. die Aimwell Stories (1853–1863), die in sieben Bänden das Farmleben in Neuengland schildern. Eine der produktivsten Jugendbuchautorinnen des 19. Jahrhunderts war die heute fast in Vergessenheit geratene Englischlehrerin Harriette Newell Woods Baker (1815–1893), die als „Aunt Hattie“ mehr als hundert Kinderbücher publiziert hat, darunter viele Mädchenromanserien. Daniel C. Eddy veröffentlichte seit 1859 zwei Serien von Reiseromanen, von denen die erste (The Percy Family) die Leser nach Europa, die zweite (Walter’s Tour in the East) in den Nahen Osten führte.[7]
Für ein Publikum von Mädchen schrieb Elizabeth Stuart Phelps (1815–1852), die ihre Romanreihen unter dem Pseudonym H. Trusta veröffentlichte. Weitere bekannte Mädchenbuchautoren der Zeit vor dem Sezessionskrieg waren Emily Alice Bradley Neal Haven (1827–1863), Daniel Wise (1813–1898), Elizabeth Payson Prentiss (1818–1878), Elizabeth M. Bruce (1830–1911), Frances Irene Burge Griswold (1836–1900), Sarah Cook Stuart Robbins (1817–1910) und Annie Ketchum Dunning (1831–1896).[8]
Nach dem Ende des Sezessionskrieges (1861–1865) erschienen Kinder- und Jugendromane in noch größerer Zahl. 1865 veröffentlichte Mary Mapes Dodge (1831–1905) ihr Buch Hans Brinker, or The Silver Skates, die Geschichte eines holländischen Arbeiterjungen. Zu den Klassikern der Kinderliteratur zählen noch heute die Romane von Frances Hodgson Burnett. Die gebürtige Engländerin, die als junges Mädchen in die USA kam, brachte 1886 ihren Bestseller Der kleine Lord (Little Lord Fauntleroy) heraus, der als Kinderbuch konzipiert war, aber vor allem von Müttern gelesen wurde. Neben weiteren Arbeiten folgte 1909 der Roman Der geheime Garten (The Secret Garden), der heute das meistgelesene Buch von Burnett ist.[9]
Auch Mädchenromanserien blieben nach dem Sezessionskrieg populär. Zu den bekanntesten Vertreterinnen dieses Genres zählte die Dichterin Adeline Dutton Train Whitney (1824–1906), die in ihren Arbeiten – z. B. Faith Gartney’s Girlhood (1863) und The Other Girls (1873) – immer wieder konservative weibliche Werte verteidigt hat. Rebecca Sophia Clarke (1833–1906) veröffentlichte seit 1864 ihre Little Prudy-Geschichten. Die Lehrerin Martha Finley (1828–1909) begann 1867 mit der Publikation ihrer Elsie Dinsmore-Romane (bis 1905), die in 28 Bänden die Lebensgeschichte einer Halbwaise in Neuengland von der Kindheit bis ins Alter erzählen. Weitere Autorinnen, die nach 1965 Mädchenromanserien zu veröffentlichen begannen, zählen Elizabeth Stuart Phelps Ward (1844–1911; eine Tochter der gleichnamigen älteren Autorin), Harriet Burn McKeever (1807–1886) und Joanna Hone Mathews (1849–1901).[10]
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in den USA keine nennenswerte soziale Mittelschicht. Die Rezeption von Kinderliteratur blieb weitgehend ein Privileg der Reichen. Diese konnten es sich z. B. auch leisten, für ihren Nachwuchs spezielle Zeitschriften zu abonnieren, von denen das namhafteste das St. Nicholas Magazine war, eine Zeitschrift für Kinder von 5 bis 18 Jahren, die Mary Mapes Dodge für den New Yorker Scribner-Verlag herausgab. Der „St. Nicholas“ erschien von 1873 bis 1941 und bot vielen bedeutenden amerikanischen und internationalen Kinderbuchautoren der Zeit Raum für die Erstveröffentlichung ihrer Arbeiten.[11]
1883 veröffentlichte der amerikanische Illustrator und Autor Howard Pyle (1853–1911) seinen Roman The Merry Adventures of Robin Hood, der bis heute die populärste Nacherzählung der Geschichten um die mittelalterliche Sagengestalt Robin Hood geblieben ist. Frank R. Stocktons (1834–1902) Buch The Bee-Man of Orn (1887) ist eine Mischung aus Märchen und Sage.
1868 veröffentlichte Louisa May Alcott den ersten Band ihres Romans Little Women. Little Women erzählt die Geschichte von vier Schwestern, die während des Sezessionskrieges heranwuchsen. Die Komplexität der weiblichen Charaktere und ihrer Geschlechtsrollenkonflikte boten dem weiblichen Lesepublikum so weitreichende Identifikationsmöglichkeiten, dass der Roman auf Anhieb zum Bestseller wurde und viele amerikanische Frauengenerationen nachhaltig beeinflusst hat.[12]
Weitere Mädchenbuchautorinnen der späten 1860er und frühen 1870er Jahre waren Virginia Frances Townsend (1836–1920), Margaret Hosmer (1830–1897), Caroline Wells Healey Dall (1822–1912), Susan Blagge Caldwell Samuels (1848–1931) und Virginia Wales Johnson (1849–1916). 1872 veröffentlichte Sarah Chauncey Woolsey alias Susan Coolidge (1835–1905) ihren Roman What Katie Did. Das populäre Buch erzählt die Geschichte eines widerspenstigen 12-jährigen Mädchens, das durch einen Unfall zur Invalide wird.[13]
Die spätere Pulitzer-Preisträgerin Laura E. Richards (1850–1943) veröffentlichte, neben zahlreichen anderen Kinderbüchern, von 1889 bis 1897 ihre fünfteilige Hildegarde-Serie. Von Amanda Douglas (1831–1916) stammen die Little Girl-Romane (1896–1909), die als die erste historisierende Mädchenbuchserie der amerikanischen Literaturgeschichte gelten. Weitere Mädchenromanreihen wurden im späten 19. Jahrhundert u. a. von Elizabeth Williams Champney (1850–1922), Mary Bradford Crowninshield (1844–1913), Sarah Jones Clarke (1840–1929) und Myra Sawyer Hamlin (1856–1927) veröffentlicht.[14]
Der Jesuitenpater Francis J. Finn (1859–1928) erlangte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts Popularität durch seine katholischen Jungenromane, insbesondere eine Reihe um einen Jungen Tom Playfair.[15]
Eine Pionierin des Bilderbuchs war die Schriftstellerin und Malerin Blanche McManus (1870–1929), die in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts u. a. die Bände The True Mother Goose (1895), The Voyage of the Mayflower und How the Dutch came to Manhattan (beide 1897) veröffentlichte.
Viele nichtfiktionale Jugendbücher des 19. Jahrhundert und des frühen 20. Jahrhunderts behandeln Themen aus der Naturgeschichte. Zu den prominentesten Vertretern dieses Genres zählt der Mitbegründer der amerikanischen Pfadfinderbewegung, Ernest Thompson Seton.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in großer Zahl so genannte Sunday Books, die sowohl protestantische als auch katholische Gemeinden in ihren Sonntagsschulen zur religiösen und moralischen Unterweisung von Kindern einsetzten. Ein typisches Beispiel für dieses Genre bildet A House of Prayer (1908) von Florence Converse (1871–1967).[16]
Im Jahr 1900 erschien eines der berühmtesten Werke der amerikanischen Jugendliteratur: L. Frank Baums Buch Der Zauberer von Oz erzählt die Geschichte des Mädchens Dorothy, die sich in Gesellschaft eine Vogelscheuche, eines Blechmanns und eines feigen Löwen zum Schloss eines Zauberers aufmacht, der ihr helfen soll, wieder in ihre Heimat Kansas zurückzugelangen. Der phantastische Roman war so erfolgreich – bereits im Erscheinungsjahr wurden 21.000 Exemplare verkauft – dass Baum bis 1919 13 Sequels schrieb. International bekannt wurde der Stoff später durch den MGM-Musicalfilm Der Zauberer von Oz von Victor Fleming. Nach Baums Tod setzten Ruth Plumly Thompson, John R. Neill, Rachel R. Cosgrove, Eloise Jarvis McGraw und Lauren Lynn McGraw die Reihe fort. Weitere Oz-Romane wurden seit Mitte der 1980er u. a. von James Howe, Dick Martin, Eric Shanower, Edward Einhorn, Gina Wickwar und Darren Reid veröffentlicht.
Ebenfalls im phantastischen Genre war Tudor Jenks (1857–1922) zu Hause, von dem u. a. die Imaginotions; Truthless Tales (1894) und der Roman Galopoff, the Talking Pony (1901) stammen.[17]
Ein heute klassisches Mädchenbuch veröffentlichte Kate Douglas Wiggin mit ihrem Roman Rebecca of Sunnybrook Farm (1903), der die Geschichte eines Mädchens in Neuengland erzählt. 1906 folgte die Fortsetzung New Chronicles on Rebecca. Ebenso beliebt ist in den USA bis heute der Mädchenroman Pollyanna, den Eleanor H. Porter (1868–1920) 1913 publizierte. Das Buch erzählt die Geschichte einer Waisen, die sich mit unerschütterlichem Optimismus dafür einsetzt, ihr Lebensumfeld menschlicher zu machen. Der Roman war auf Anhieb so populär, dass Porter 1915 eine Fortsetzung folgen ließ. Später erzeugten Harriet Lummis Smith, Elizabeth Borton, Margaret Piper Chalmers, Virginia May Moffitt und Colleen L. Reece ganze Pollyanna-Reihen. Weitere viel gelesene Kinder- und Jugendbuchautoren der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg waren Harriet Theresa Comstock (1860–1925), Thornton Burgess (1874–1965), der Erzähler von Abenteuergeschichten Joseph Alexander Altsheler (1862–1919) und Alice Hale Burnett, deren Merryvale-Geschichten für Jungen und für Mädchen 1916–1919 erschienen. Bereits seit 1911 erschien die Twins-Romane von Lucy Fitch Perkins (1865–1937), eine 26 Bände die Geschichten von Zwillingspärchen erzählten, die in jeweils unterschiedlichen Ländern der Welt bzw. in unterschiedlichen Abschnitten der amerikanischen Geschichte leben. Im Bereich des Kinderkrimis trat seit 1910 Augusta Huiell Seaman (1879–1950) hervor.[18]
Olaf Baker veröffentlichte 1915 seine Indianergeschichte Where the Buffaloes Begin, für die er 1982 postum mit einer Caldecott Honor ausgezeichnet wurde. Das erfolgreichste Bilderbuch der Zeit war der von Blanche F. Wright illustrierte Kinderreim-Band The Real Mother Goose (1916), der später immer wieder neu aufgelebt wurde. Eine Spitzenauflage erreichte das Buch 1989 mit 3,6 Mio. Exemplaren.[19]
Populäre Vorlesebücher der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg waren Arthur Scott Baileys (1877–1949) Gutenachtgeschichten (Sleepy-Time Tales, Tuck-Me-In Tales, Slumber-Town Tales) und Johnny Gruelles (1880–1938) Geschichten um die Puppe Raggedy Ann.[20]
Der bedeutendste Tierroman der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war Will James’ (1892–1942) Pferdegeschichte Smoky the Cow Horse (1929), die bis heute viermal verfilmt wurde, einmal sogar in der Sowjetunion. Während Smoky ein realistischer Roman war, gehören die Tiergeschichten von Hugh Lofting (1886–1947) und Walter R. Brooks (1886–1958) zum phantastischen Genre. Lofting, ein gebürtiger Brite, schrieb in seiner amerikanischen Wahlheimat, in die er nach der Ersten Weltkrieg kam, 12 Romane um die heute weltbekannte Figur des Doktor Dolittle (veröffentlicht 1920–1952), den Arzt, der die Sprache der Tiere versteht. Ein sprechendes Tier – genauer: ein sprechendes Schwein – ist auch die Hauptfigur in Walter R. Brooks' vielbändiger Romanreihe um Freddy the Pig (1927–1958). Ein weiteres Beispiel für die frühe phantastische Kinderliteratur ist Margery Williams' (1881–1944) Bilderbuch The Velveteen Rabbit (1922), dessen Held ein Stoffkaninchen ist, das durch die Liebe eines kleinen Jungen zu Leben erweckt wird.[21]
Die Einwanderungswelle, die in den USA im Anschluss an den Krieg einsetzte, bereicherte die Kinderliteratur erstmals um eine größere Anzahl von Büchern mit ethnischer Thematik. Auf besonderes Interesse stieß diese ethnische Literatur bei der American Library Association (ALA), die herausragende Kinder- und Jugendbücher von 1922 an alljährlich mit der Newbery Medal auszeichnete. 1928 verlieh die Jury ihren Hauptpreis an den Inder Dhan Gopal Mukerji (1890–1936), dessen Roman Gay Neck, the Story of a Pigeon die Geschichte einer indischen Wettkampftaube erzählt; Hauptpreisträger des folgenden Jahres wurde Eric P. Kelly (1884–1960), dessen Buch The Trumpeter of Krakow eine Legende aus der Geschichte Polens zum Thema hat. Bereits 1925 hatte Charles J. Finger (1869–1941) die Medaille für seine Sammlung historischer lateinamerikanischer Sagen – Tales from Silver Lands (1914) – erhalten. Der Hauptpreisträger des Jahres 1926 – Shen of the Sea von Arthur Bowie Chrisman (1889–1953) – war eine Sammlung chinesischer Sagen.[22]
Ihren Nebenpreis, die Newbery Honor, verlieh die ALA mehrfach an irisch-amerikanische Autoren: an Padraic Colum (1881–1972) für seine Mythen-Nacherzählung The Golden Fleece and The Heroes Who Lived Before Achilles (1921) und The Voyagers: Being Legends and Romances of Atlantic Discovery (1925), sowie an Ella Young (1867–1956), die in ihrem Band The Wonder Smith and His Son (1928) irische Sagen nacherzählte. Ebenfalls mit der Newbery Honor wurde 1929 Julia Davis Adams (1900–1993) für ihren Roman Vaino, A Boy of New Finland geehrt.[23] Nicht auf eine ethnische, sondern auf eine religiöse Gruppe – die Mennoniten in Lancaster County – weisen hingegen die Jugendbücher von Anna Balmer Myers hin, deren bekannteste Arbeit der Roman Amanda: A Daughter of the Mennonites (1921) ist.[24]
Zu der ethnischen Jugendliteratur der Zeit zählen weiterhin die Indianerromane der Malerin und Schriftstellerin Grace Moon (1884–1947). Vor allem für ein Publikum von Jungen schrieb Walter Scott Story (1879–1955), ein Serienautor von Abenteuerromanen. Laurie York Erskine (1894–1976) veröffentlichte von 1922 bis 1941 seine Romanserie Renfrew of the Royal Mounted. Diese Abenteuergeschichten um einen Mountie waren so populär, dass sie in den 1930er Jahren vielfach verfilmt wurden. Im Pfadfindermilieu war die Handlung der meisten Bücher von Percy Keese Fitzhugh (1876–1950) angesiedelt. Ein weiterer Erfolgsautor der Zeit war Edward Stratemeyer (1862–1930), der nicht nur ca. 150 eigene Jugendbücher schrieb, sondern auch die Krimiserie The Hardy Boys erfand, die – von verschiedenen Autoren geschrieben – seit 1927 bis in die Gegenwart erscheint und damit als die am längsten existierende Kinderbuchserie der Literaturgeschichte gilt.[25]
Wichtigster Vertreter des historischen Jugendromans war in den 1920er Jahren Bernard G. Marshall, dessen Roman Cedric the Forester eine Geschichte aus dem mittelalterlichen England erzählt und der 1922 mit der Newbery Honor ausgezeichnet wurde. 1924 publizierte Charles Hawes sein Piratenabenteuer The Dark Frigate, dessen Handlung im England des 18. Jahrhunderts angesiedelt war. Rachel Field (1894–1942) veröffentlichte 1929 ihren Roman Hitty, Her First Hundred Years, der die Geschichte Neuenglandes anhand des Schicksals einer Puppe erzählte. Der Historiker Hendrik Willem van Loon (1882–1944) veröffentlichte 1921 sein kurz darauf preisgekröntes Buch The Story of Mankind, in dem er Kindern die Geschichte der westlichen Zivilisation erzählt. Der vielseitige Carl Sandburg veröffentlichte, neben verschiedenen fiktionalen Kinderbüchern, 1926 den ersten Teil seiner ebenfalls für junge Leser konzipierten Abraham-Lincoln-Biografie.[26]
Montrose Jonas Moses (1878–1934) veröffentlichte 1921 A Treasury of Plays for Children, in dem Dramatisierungen populärer Kinderromane gesammelt waren. Nora Archibald Smith (1859–1934), die Schwester von Kate Douglas Wiggin, veröffentlichte neben vielen anderen Kinderbüchern 1923 ihren Sammelband Boys and Girls of Bookland (1923).[27]
Obwohl Kinderbücher schon immer illustriert waren, führten Fortschritte in der industriellen Buchherstellung in den 1930er Jahren zu einem vermehrten Erscheinen von Bilderbüchern. Das Genre setzte sich in dieser Zeit so sehr durch, dass die American Library Association herausragende Arbeiten von 1938 an einen speziellen Bilderbuchpreis, der Caldecott Medal, auszeichnete. Zu den bekanntesten Bilderbuchautoren der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zählt der aus Österreich und Deutschland stammende, aber in die USA ausgewanderte Schriftsteller und Illustrator Ludwig Bemelmans (1898–1962), der 1939 mit der Publikation seiner Madeline-Bücher begann. Die Episoden dieser Bilderbuchserie, die von einen kleinen Mädchen in Paris handeln, wurden mehrfach verfilmt und sind in den USA so populär, dass auch über Bemelmans’ Tod hinaus immer neue Bände erschienen sind. Ebenfalls sehr erfolgreich war das von einem unbekannten Autor unter dem Pseudonym Watty Piper veröffentlichte Bilderbuch The Little Engine That Could, das mit seiner optimistischen Botschaft von einigen Kritikern als Metapher für den American Dream charakterisiert worden ist. Weitere namhafte amerikanische Bilderbuchautoren der 1930er und frühen 1940er Jahre sind Thomas Handforth (1897–1948), Dorothy P. Lathrop (1891–1980), Maud (1890–1971) und Miska Petersham (1888–1960), Margery Williams Bianco (1881–1944), Munro Leaf (1905–1976), Clare Turlay Newberry (1903–1970), Robert McCloskey (1914–2003), Virginia Lee Burton (1909–1968); Lee Kingman, Elizabeth Orton Jones (1910–2005), Margaret Wise Brown (1910–1952) und Wanda Gág (1893–1946).[28]
Der New Yorker Verlag Simon & Schuster begann 1942, unter dem Namen „Little Golden Books“ eine Serie preiswerter kleiner Bilderbücher von Autoren herauszubringen, die zumeist wenig bekannt waren. Bereits der achte Band der Serie, The Poky Little Puppy von Janette Sebring Lowrey, war ein Sensationserfolg und wurde bis heute in fast 15 Millionen Exemplaren verkauft. Auch die übrigen Bände der bis heute erscheinenden Serie erreichten häufig Millionenauflagen.[29]
Dorothy Kunhardt (1901–1979) brachte mit Pat the Bunny 1940 erstmals ein Touch and Feel Book, ein Anfass- und Fühlbuch für Kleinkinder heraus, das neben Bildern und Text auch haptische Elemente wie Pelz und Sandpapier enthielt und bereits im Jahr der Erstveröffentlichung in 7,5 Mio Exemplaren verkauft wurde. Ein weitererer Bestseller der Zeit war Feodor Rojankovskys illustrierte Sammlung von Vorlesegeschichten The Tall Book of Nursery Tales (1944).[30]
1930 begann die Lehrerin und Schriftstellerin Zerna Sharp (1889–1981) mit der Publikation ihrer Dick and Jane-Geschichten, die ihre erhebliche Bekanntheit u. a. der Tatsache verdankten, dass sie jahrzehntelang Standard-Unterrichtsmaterial der amerikanischen Grundschulen waren.[31]
Erfolgreiche Tiererzählungen der 1930er Jahre waren Phil Stongs (1899–1957) Elch-Geschichte Honk, the Moose (1935) und Richard (1892–1938) und Florence Atwaters Roman Mr. Popper’s Penguins (1938). John A. Moroso (1874–1957) veröffentlichte 1936 einen erfolgreichen Roman um einen Jungen und seinen Hund, Nobody’s Buddy (1936). Jim Kjelgaards (1910–1959) Hundegeschichte Big Red (1945) wurde 1962 von den Disney Studios verfilmt. Ebenfalls verfilmt wurde Marjorie Kinnan Rawlings′ Pulitzerpreis-Roman The Yearling (1939) um einen Jungen, der ein Rehkitz adoptiert und aufzieht. Der bekannteste Pferderoman der Zeit war Walter Farleys (1915–1989) 1941 veröffentlichter Klassiker The Black Stallion.[32]
Das Interesse der American Library Association (ALA) an Kinderliteratur mit ethnischen Themen bestand auch nach der Weltwirtschaftskrise fort. Zu den Arbeiten, die sie in den 1930er und frühen 1940er Jahren auszeichnete, zählen Herbert Bests afrikanische Erzählung Garram the Hunter: A Boy of the Hill Tribes (1930), Indianerbücher von Ralph Hubbard (Queer Person, 1930) und Laura Adams Armer (1874–1963; Waterless Mountain, 1931), Elizabeth Coatsworths (1893–1986) buddhistische Legende The Cat Who Went to Heaven (1931), Christine Westons (ca. 1923–2008) Indien-Geschichte Bhimsa, the Dancing Bear (1945), sowie China-Bücher von Elizabeth Foreman Lewis (1892–1958; Young Fu of the Upper Yangtze, 1932), Elizabeth Seeger (* 1889; Pageant of Chinese History, 1934) und Chih-Yi Chan (Good-Luck Horse, 1943). Mit der Newbery Honor würdigte die ALA auch Nora Burglon (1900–1976), die neben dem Preisträgerbuch (Children of the Soil: A Story of Scandinavia, 1932) weitere Geschichten über Kinder in aller Welt geschrieben hat. Im Mittelpunkt von Hilda van Stockums (1908–2006) Buch Day On Skates: The Story of a Dutch Picnic (1934) stehen die Erlebnisse einer holländischen Schulklasse; Monica Shannons (ca. 1905–1965) Roman Dobry (1935) erzählt die Geschichte eines rumänischen Bauernjungen.[33]
In der Zeit nach der Weltwirtschaftskrise entstanden viele Romane und Erzählungen, die das Alltagsleben amerikanischer Kinder in früheren Zeiten beschrieben. Die bedeutendste Vertreterin dieser Memoiren- und Geschichtsliteratur war Laura Ingalls Wilder, deren Little House on the Prairie-Erzählungen (1932–1974 veröffentlicht) von ihrem Aufwachsen in einer Siedlerfamilie im Mittleren Westen inspiriert sind. Dem internationalen Publikum sind diese Geschichten oft nur durch die süßliche Fernsehadaption Unsere kleine Farm (1974–1983) bekannt geworden. Literaturkritiker zählen Wilder jedoch zu den bedeutendsten Autoren des Landes, und die ALA hat nicht nur 6 ihrer Bücher mit der Newbery Honor ausgezeichnet, sondern Wilder für ihren Gesamtbeitrag zur amerikanischen Kinderliteratur auch die 1954 gestiftete Bronzemedaille verliehen, die seitdem ihr zu Ehren den Namen Laura Ingalls Wilder Medal trägt. Millionenauflagen erreichten die Little House on the Prairie-Romane, als der Verlag HarperCollins sie 1971 erstmals als Taschenbücher herausbrachte. Andere Autoren, wie Roger Lea MacBride (1929–1995), setzten die Reihe später fort. Melissa Wiley (* 1968) schrieb sogar eine Serie von Prequels, die Martha Years-Romane (1999–2003), über Vorfahren der Familie in Schottland im frühen 18. Jahrhundert.[34]
Das vermehrte Erscheinen von Büchern, die die Aufmerksamkeit des jugendlichen Publikums nicht nur aufs Landleben richtete, sondern dieses gelegentlich sogar idealisierte, muss auch vor dem Hintergrund der soeben erst überstandenen Weltwirtschaftskrise verstanden werden, in deren Folge ein großer Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften entstanden war. Zu den Autoren, die die Landwirtschaft in Jugendbüchern beschrieben bzw. bewarben, zählen John Case, Paul Chapman, Sarah Lindsay Schmidt, Betty Baxter Anderson, Arthur Charles Bartlett und Elizabeth Yates (1905–2001).[35]
Weitere Autoren, die für ein jugendliches Lesepublikum das historische Alltagsleben in Land und Stadt dargestellt haben, sind Robert Lawson (1892–1957), Carol Ryrie Brink (1895–1981), Ruth Sawyer (1880–1970) und Lois Lenski (1893–1974). Ein besonderer Publikumserfolg waren die 1940–1955 erschienenen Betsy-Tacy-Romane von Maud Hart Lovelace (1892–1980), die das Leben eines amerikanischen Mädchens von der Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter erzählt und damit einen 20-jährigen Zeitraum um die Wende zum 20. Jahrhundert abdeckt.[36]
Neben solchen Alltagsgeschichten entstanden auch viele historische Romane im engeren Sinne. Zu den Autoren fiktionaler Jugendliteratur, die in den 1930er und frühen 1940er Jahren amerikanische Geschichte aufgearbeitet haben, zählen Elsie Singmaster (1879–1958), Mary Jane Carr (1895–1988), Esther Forbes (1891–1967), Elizabeth Enright (1909–1968), Doris Gates (1901–1987), Eva Roe Gaggin und Walter D. Edmonds (1903–1998). Hildegarde Swift (1890–1977) veröffentlichte 1932 ein von der Kritik viel beachtetes Sachbuch über die Underground Railroad (The Railroad To Freedom: A Story of the Civil War). Genevieve Fosters (1893–1979) Sachbuch George Washington’s World (1941) erzählte die Geschichte des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, Katherine Shippens New Found World (1945) dagegen die von Lateinamerika.[37]
Cornelia Meigs (1884–1973) veröffentlichte 1933 ihre an junge Leser adressierte Louisa May Alcott-Biografie Invicible Louisa. Weitere bemerkenswerte Beiträge zur biografischen Jugendliteratur stammen von Constance Rourke (Davy Crockett, 1934), James Daugherty (1889–1974; Daniel Boone, 1939), Ingri (1904–1980) und Edgar Parin d’Aulaire (1898–1986; Abraham Lincoln, 1939), Mabel Robinson (1874–1962; Runner of the Mountain Tops: The Life of Louis Agassiz, 1939) und Anna Gertrude Hall (1882–1967; Nansen, 1940).[38]
Viele Jugendromane hatten die europäische Geschichte zum Thema. So erzählt Caroline Dale Snedekers (1871–1956) 1933 erschienenes Buch The Forgotten Daughter eine Geschichte aus der römischen Antike. Kate Seredy (1896–1975) veröffentlichte 1937 ihren Hunnen-Roman The White Stag. Die Handlung von Eloise Lownsberys (1888–1967) Out of the Flame (1931) und von Ann Kyles Apprentice of Florence (1933) war in der französischen bzw. italienischen Renaissance angesiedelt. Agnes Hewes veröffentlichte 1930 ihre Geschichtsphantasie Spice and the Devil’s Cave, die eine fiktive Zusammenkunft der portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama, Bartolomeu Diaz und Ferdinand Magellan beschreibt. Elizabeth Gray Vinings (1902–1999) 1942 publizierter Roman Adam of the Road erzählt die Geschichte eines Jungen im mittelalterlichen England.[39]
Populäre Autoren von Abenteuerromanen für Jungen waren Holling C. Holling (1900–1973), James Cloyd Bowman (1880–1961) und Stephen W. Meader (1892–1977). Typische Produkte der Kriegsjahre waren die Dave Dawson- (1941–46) und Red Rendall-Romane (1944–46) von Robert Sidney Bowen (1900–1977), die für Kinder aufbereitete Kriegsabenteuer erzählen.[40]
Gertrude Chandler Warner (1890–1979) begann 1942 mit der Veröffentlichung ihrer The Boxcar Children-Bücher, einer sehr populären Reihe von Kinder-Krimis, für die Warner bis 1976 immer neue Bände schrieb. Unter den für ein Publikum von Mädchen geschriebenen Büchern sind besonders Marjorie Hill Allees im Forschungsmilieu angesiedelter Roman Jane’s Island (1931) und Anne Parrishs (1888–1957) Puppenabenteuer Floating Island (1930) bemerkenswert. 1930 begann der Grosset & Dunlap-Verlag mit der Veröffentlichung von Nancy Drew-Kriminalromanen, einer bis 2002 fortgeschriebenen Bestseller-Reihe für Mädchen, an der unter dem Pseudonym Carolyn Keene zahlreiche verschiedene Autoren mitarbeiteten. 1932 folgte Margaret Suttons (1903–2001) ähnlich erfolgreiche Mädchen-Krimiserie Judy Bolton (bis 1967).[41]
Das beliebteste Genre in der Bilderbuchliteratur der Nachkriegszeit und der 1950er Jahren waren Tiergeschichten. Zu den Autoren, die in dieser Zeit mit einer Caldecott Medal ausgezeichnet wurden, gehören Nicholas Mordvinoff (1911–1973), dessen Fabel Finders Keepers (1951) von zwei streitenden Hunden handelte. Lynd Wards (1905–1985) Preisträgerbuch The Biggest Bear (1952) erzählt die Geschichte einer Jägerfamilie, und John Langstaffs (1920–2005) Frog Went A-Courtin (1955) war die bebilderte Version eines englischen Volksliedes, in dem ein Frosch um die Gunst einer Maus wirbt. Millionenauflagen hatten Kathryn Jacksons Bücher Saggy Baggy Elephant (1947) und Tawny Scrawny Lion (1952), P. D. Eastmans (1909–1986) Vogelwaisen-Geschichte Are You My Mother? und Robert Lopshires Put Me in the Zoo (beide 1960). Weitere Tierbilderbücher schrieben Bill Martin Jun. (1916–2004), Al Graham, Louise Seaman Bechtel (1894–1985), Esther Brann (1899–1998), William Lipkind (1904–1977), Lavinia R. Davis, Fritz Eichenberg (1901–1990), Abe Birnbaum (* 1899), Miriam Schlein (ca. 1926–2004), Eve Titus und Don Freeman (1908–1978).[42]
Andere Bilderbuch-Bestseller der Zeit waren Gertrude Cramptons (* 1905) Arbeiten Tootle (1945) und Scuffy the Tugboat (1946), Oliver Butterworths (1915–1990) The Enormous Egg (1956), Mike McClintocks A Fly Went By (1958) und Joan Walsh Anglunds Love Is a Special Way of Feeling (1960). In künstlerischer Hinsicht ragten jedoch vor allem die Arbeiten von Marcia Brown (* 1918) heraus, die in ihren Bilderbüchern häufig Märchen nacherzählte. Brown war die erste Autorin, deren Arbeiten dreimal mit der Caldecott Medal ausgezeichnet wurden. Weitere preisgekrönte Bilderbuchautoren der späten 1940er und der 1950er Jahre waren Marjorie Flack (1897–1958), Georges Schreiber (1904–1977), Kurt Wiese (1887–1974), Phyllis McGinley (1905–1978), Elizabeth Olds (1896–1991), Gene Zion (1913–1975), Ruth (1899–1999) und Latrobe Caroll (1894–1996), Ruth Krauss (1901–1993), Antonio Frasconi (* 1919), Benjamin Elkin, Clara Ingram Judson (1879–1960), Sesyle Joslin, Janice May Udry (* 1928), Marie Hall Ets (1895–1984) und Barbara Cooney (1917–2000).[43]
Besonders viele der von der ALA mit einer Caldecott Medal oder mit der Caldecott Honor ausgezeichneten Bilderbücher hatten ein Thema aus der Natur, wie z. B. Alvin Tresselts (* 1916) White Snow, Bright Snow (1947). Weitere preisgekrönte Winter- bzw. Wettergeschichten waren Berta (ca. 1890–1976) und Elmer Haders (1889–1973) The Big Snow (1948) und Charlotte Zolotows (* 1915) The Storm Book (1952). Von Bäumen handelten Mary (1890–1970) und Conrad Buffs (1886–1975) Kinderroman Big Tree und Marc Simonts (* 1915) Bilderbuch A Tree is Nice (1956). In Alice E. Goudeys Caldecott Honor-Buch Houses from the Sea (1959) dagegen ging es um Muscheln und Schnecken. Ein weiteres Beispiel für dieses Genre bildet Carolyn Sherwin Baileys (1875–1961) Kinderroman Miss Hickory (1946), der die Geschichte einer Puppe erzählt, die von ihren menschlichen Besitzern im Stich gelassen wird und lernt, unter Pflanzen und Tieren zurechtzukommen.[44]
Einen Höhepunkt erlangte in den 1950er Jahren das Genre des Tierromans, mit dem sich in dieser Zeit so hochrangige Autoren wie Meindert DeJong und E. B. White beschäftigten. Von Meindert DeJong (1906–1992), der 1962 als erster Amerikaner mit dem Hans Christian Andersen-Preis ausgezeichnet wurde, stammen eine Reihe von Geschichten um Hunde, Katzen, Kaninchen und andere Bauernhoftiere, an die Kinder ihr Herz hängen, und deren Handlung an so unterschiedlichen Schauplätzen wie DeJongs westfriesischer Heimat, seiner Wahlheimat USA und in China angesiedelt ist. Als Klassiker der amerikanischen Kinderliteratur gelten heute auch die Arbeiten von E. B. White, besonders Klein Stuart (1945), Wilbur und Charlotte (1952) und Der Schwan mit der Trompete (1970), in denen die Tiere selbst zu handelnden Charakteren werden. Erfolgreiche Hundegeschichten der 1950er Jahre waren Eleanor Estes' (1906–1988) Ginger Pye (1951), Fred Gipsons (1908–1973) Old Yeller (1956) und Rutherford Montgomerys Broken Fang. Von Pferden bzw. Ponys handelten die Romane Misty of Chincoteague (1947), King of the Wind (1948; beide von Marguerite Henry, 1902–1997), Midnight, a Cow Pony (1949; von S. P. Meek, 1894–1972) und Chucaro: Wild Pony of the Pampa (1958; von Francis Kalnay, *1899). Der Held von George Seldens (1929–1989) Buch The Cricket in Times Square (1960) ist eine musikalische Grille.[45]
Ein Bestseller der Zeit war Dodie Smiths Hundegeschichte 101 Dalmatiner (1954), der in den Disney-Studios 1961 erstmals verfilmt wurde.
Ein Bestseller der unmittelbaren Nachkriegszeit war Charles Tazewells (1900–1972) bereits 1939 entstandenes Weihnachts-Bilderbuch The Littlest Angel (1946), das die Geschichte eines kleinen Engels erzählt, der von Gott vor allen anderen Engeln ausgezeichnet wird. Opal Wheeler (* 1898) errang im selben Jahr mit ihrer Sammlung geistlicher Lieder Sing in Praise: A Collection of the Best Loved Hymns die Caldecott Honor.[46]
Das Jewish Book Council, das herausragende jüdisch-amerikanische Literatur bereits seit 1949 mit dem National Jewish Book Award ehrt, verleiht diesen Preis seit 1952 regelmäßig auch an Kinder- und Jugendbücher. Ausgezeichnet wurden auf diese Weise u. a. Lillian S. Freehofs Stories of King David (1952), Deborah Pessins The Jewish People. Book Three (1953), Naomi Ben Ashers Jewish Junior Encyclopedia (1957), Lloyd Alexanders August Bondi: Border Hawk (1958), Sylvia Rothchilds Keys to a Magic Door (1959), sowie das Gesamtwerk von Sadie Rose Weilerstein und von Elma Ehrlich Levinger.[47]
In den 1950er Jahren formierte sich die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, deren Ziel eine Aufhebung der noch immer bestehenden Rassentrennung und Rassendiskriminierung war. In der Kinderliteratur blieb dieses Thema jedoch noch lange Zeit ausgespart. Eine Ausnahme bildet das Sachbuch Story of the Negro (1948) von Arna Bontemps, einem Vertreter der Harlem Renaissance, das die Geschichte der Afroamerikaner von der Zeit der afrikanischen Königreiche bis zur amerikanischen Gegenwart erzählt. Der (weiße) Anthropologe Harold Courlander (1908–1996) veröffentlichte bereits 1947 seine Sammlung afrikanischer Sagen, The Cow-Tail Switch, and Other West African Stories.[48]
Der aus einer italienischen Familie stammende Künstler Leo Politi (1908–1996) wurde 1950 für Song of the Swallows mit einer Caldecott Medal ausgezeichnet. Das 1949 erschienene Bilderbuch erzählt alltägliche Ereignisse rund um die spanisch-kalifornische Missionskirche von San Juan Capistrano. In Mexiko ist die Handlung von Dorothy Rhoads' Bauernjungengeschichte The Corn Grows Ripe (1956) angesiedelt. Im selben Jahr erschien auch Mari Sandoz' (1896–1966) Roman The Horsecatcher, in dem das Heranwachsen eines jungen Cheyenne geschildert wird. Ann Nolan Clarks (1896–1995) Newbery Honor-Buch Secret of the Andes (1953) berichtet von den Abenteuern eines Inka-Jungen im Hochland der Anden.[49]
Viele andere Kinderbücher der Zeit haben europäische Schauplätze, wie Frankreich (The Avion My Uncle Flew, 1946, von Cyrus Fisher, 1904–1964; The Family Under The Bridge, 1958, von Natalie Savage Carlson, 1906–1997), die Schweiz (All Alone, 1953, von Claire Huchet Bishop, 1899–1993; Banner In The Sky, 1954, von James Ullman, 1907–1971) oder Italien (Red Sails to Capri, 1952, von Ann Weil, 1908–1969). Eine Caldecott Medal errang Nicolas Sidjakovs (* 1924) Bilderbuch Baboushka and the Three Kings (1960), das eine russische Sage nacherzählt. Wieder andere Bücher haben asiatische Schauplätze, wie Sibirien (The Defender, 1951, von Nicholas Kalashnikoff), China (Li Lun, Lad of Courage, 1947, von Carolyn Treffinger), Indien und Tibet (Daughter of the Mountain, 1948, von Louise Rankin) und Japan (Crow Boy, 1955, von Taro Yashima).[50]
Viele Kinder- und Jugendbücher der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die amerikanische Geschichte zum Thema. So erzählt Elizabeth Baitys Sachbuch Americans Before Columbus (1951) die Geschichte Amerikas vor der Entdeckung durch die Spanier. 1959 erschien Gerald W. Johnsons (1890–1980) Geschichtsbuch America Is Born: A History for Peter, das so erfolgreich war, dass im Jahr darauf ein Fortsetzungsband folgte. Eine Reihe von Büchern befasste sich mit den Schicksalen der Pioniere, wie der Roman Better Known as Johnny Appleseed (1950; von Mabel Leigh Hunt, 1892–1971), der Bestseller The Courage of Sarah Noble (1954; Alice Dalgliesh, 1893–1979) und das Sachbuch Frontier Living (1960; Edwin Tunis, 1897–1973). Die Romane Rifles for Watie (1957; Harold Keith, 1903–1998) und The Perilous Road (1958; William O. Steele 1917–1979) erzählen Geschichten aus dem Sezessionskrieg.[51]
Nennenswerte für junge Menschen geschriebene Biografien waren America’s Ethan Allen (1949; von Stewart Holbrook, 1893–1964), Gandhi, Fighter Without a Sword (1950; von Jeanette Eaton), Abraham Lincoln (1951; von James Sterling Tippett, 1885–1958) und Tom Paine, Freedom’s Apostle (1957; von Leo Gurko).[52]
Einige Autoren berichteten aus dem europäischen Mittelalter, darunter Eleanor Jewett (The Hidden Treasure of Glaston, 1946), Anne Malcolmson (* 1910; Song of Robin Hood, 1947) und Marguerite de Angeli (1889–1987) in ihrem Newbery-Siegertitel The Door in the Wall (1949).[53]
Walter und (1901–1994) und Marion Havighursts Song of The Pines: A Story of Norwegian Lumbering in Wisconsin (1949) schildert die Erlebnisse eines jungen norwegischen Einwanderers im Farmland des Mittleren Westen. Den Farmalltag früherer Zeiten schildern auch die Mädchenbücher Wonderful Year (1946; von Nancy Barnes) und The Golden Name Day (1955; von Jennie Linquist).[54]
Eines der interessantesten amerikanischen Kinderbücher der 1950er Jahre ist Robert Paul Smiths (1915–1977) autobiografischer Roman Where Did You Go? Out. What Did You Do? Nothing. In einer Konsequenz, die in der Literaturgeschichte bis heute ohne Nachahmung geblieben ist, schildert das 1957 erschienene Buch auf nostalgische Weise das innere Leben der Kindheit, die Freuden und die Lebensnotwendigkeit der Ungestörtheit, der Abwesenheit von elterlicher Überwachung, der unstrukturierten Zeit, auch der Langeweile.[55]
Beinahe etwas konventionell wirken im Vergleich dazu die Alltagsgeschichten von Catherine Besterman (* 1908), Marjorie Kinnan Rawlings (1896–1953), Jack Schaefer (1907–1991), Scott Corbett (1913–2006) und Patrick Skene Catling. Newbery-Preisträger waren Virginia Sorensons (1912–1991) Heimatgeschichte Miracles on Maple Hill (1956) und Joseph Krumgolds (1908–1980) Roman Onion John (1959), der von der Freundschaft eines Jungen zu einem sozialen Außenseiter erzählt. Während Schulgeschichten in den Kinderliteraturen anderer Länder eine breiten Raum einnehmen, war Jesse Stuarts (1906–1984) autobiografischer Bericht The thread that runs so true (1948) eines der wenigen Bücher dieser Zeit, die den amerikanischen Schulalltag beschreiben. In jüdischen Familien waren seit den frühen 1950er Jahren die All-Of-A-Kind-Family-Romane von Sydney Taylor (1904–1978) beliebt.[56]
Während Autorinnen wie Enid Blyton in Großbritannien schon in den 1940er Jahren einen Boom von Mädchenromanen auslösten, entwickelte dieses Genre sich in den Vereinigten Staaten, wo Mädchen eher Familiengeschichten als Geschichten um weibliche Peergroups lasen, zunächst kaum. Ein Beispiel für den Sonderweg der amerikanischen Literatur bilden die populären Beany Malone-Romane (1943–1969) von Lenora Mattingly Weber (1895–1971), die – an ein überwiegend weibliches Lesepublikum adressiert – die Abenteuer einer mutterlosen Geschwistergruppe erzählen. Ebenfalls ein Bestseller war die seit 1955 publizierte Eloise-Bilderbuchreihe von Kay Thompson (1908–1998), die einen neuen Typ von selbstbewusstem Großstadtkind in die Kleinmädchenliteratur einführte.[57]
Während Lewis Carroll in Großbritannien schon im 19. Jahrhundert Maßstäbe in der phantastischen Kinderliteratur gesetzt hatte, folgten die amerikanischen Autoren diesem Beispiel erst sehr spät. Eine frühe Vertreterin des phantastischen Genres ist Julia L. Sauer, deren 1944 veröffentlichter Roman Fog Magic die Zeitreise eines Mädchens beschreibt. 1947 veröffentlichte der in Frankreich geborene William Pène du Bois (1916–1993) sein alsbald mit der Newbery Medal ausgezeichnete Geschichte The Twenty-One Balloons (1947), in der es um die Schiffbruch eines pensionierten Lehrers auf einer seltsamen Insel geht. Eine ganz anders geartete bizarre Welt schuf Betty MacDonald (1908–1958) in ihrer Mrs. Piggle-Wiggle-Serie (1947–1957). Weitere Beispiele für phantastische Kinderliteratur der Zeit sind die Romane My Father’s Dragon (1948; von Ruth Stiles Gannett, *1923), The Blue Cat of Castle Town (1949; von Catherine Coblentz, 1897–1951), Half Magic (1954; von Edward Eager, 1911–1964), David and the Phoenix (1957; von Edward Ormondroyd) und The Gammage Cup (1959; von Carol Kendall, *1917).[58]
Internationale Beachtung fand die Robinsonade Insel der blauen Delphine (1960) von Scott O'Dell (1898–1989), der 1972 als zweiter Amerikaner mit dem Hans Christian Andersen Preis ausgezeichnet wurde. Eine Newbery Medal erhielt Jean Lee Latham (1902–1995) für ihren Seglerroman Carry On, Mr. Bowditch (1955). Weitere Abenteuergeschichten, die meist an ein Publikum von Jungen adressiert waren, stammen von Willard Price (1887–1983), Henry Felsen (1916–1995) und Jean Craighead George (* 1919).[59]
Eine erfolgreiche Kinder-Krimiserie schuf der unter verschiedenen Pseudonymen schreibende Andrew E. Svenson (1910–1975) mit seinen The Happy Hollisters-Romanen (1953–1970), in deren Mittelpunkt eine Familie mit fünf Kindern steht, deren Leidenschaft es ist, Kriminalfälle zu lösen. [60]
Einer der bis heute beliebtesten amerikanischen Kinderbuchautoren ist der Cartoonzeichner und Schriftsteller Theodor Seuss Geisel, der seine phantasievollen und bizarren Arbeiten seit 1937 unter dem Pseudonym Dr. Seuss veröffentlichte. Viele davon – wie Horton Hatches the Egg (1940), The Cat in the Hat (1957), Yertle the Turtle and Other Stories, The Cat in the Hat Comes Back (beide 1958), Happy Birthday to You! (1959), One Fish, Two Fish, Red Fish, Blue Fish, Dr. Seuss’s ABC und Green Eggs and Ham (alle drei 1960) – erreichten auf Anhieb Millionenauflagen. Dem deutschsprachigen Publikum sind die in Reimen geschriebenen und in ihrem Sprachwitz schwer übersetzbaren Geschichten vor allem durch Film-Adaptionen wie Die 5000 Finger des Dr. T., Der Grinch, Ein Kater macht Theater und Horton hört ein Hu! bekannt geworden. In den USA verdanken sie ihre Popularität auch der Tatsache, dass sie trotz ihres hohen literarischen Anspruchs selbst von Leseanfängern schon bewältigt werden können. Das Buch The Cat in the Hat z. B. verdankt seine Entstehung dem Experiment des Autors, eine reizvolle literarische Arbeit zu schaffen, die vollständig auf einem Repertoire von 223 einfachsten Wörtern (sog. Sichtwörtern) basiert.
Das Werk von „Dr. Seuss“ hatte starken Einfluss auf einige jüngere Autoren wie P. D. Eastman (1909–1986; Go, Dog, Go!, 1961), Peggy Parish (1927–1988; Amelia Bedelia-Serie 1963–1988) und Roy McKie (The Riddle Book, 1978). [61]
In den 1960er Jahren erschien in den USA erstmals eine große Anzahl von Bilderbüchern für Kleinkinder. In Millionenauflagen kamen die Arbeiten von Richard Scarry (1919–1994) und von Jan Pfloog heraus. Ein Bestseller wurde auch Eve Wittes Fühlbuch The Touch Me Book (1961). Ebenfalls in den 1960er Jahren begann die Karriere des späteren Laura Ingalls Wilder Medal-Trägers Eric Carle (* 1929), dessen mit charakteristischen Collagen illustrierten Bücher bis heute international populär sind. Sein Buch Die kleine Raupe Nimmersatt war auf dem Buchmarkt ein Sensationserfolg und hatte in den USA eine Erstauflage von fast 5 Mio. Exemplaren.
Weitere erfolgreiche Kleinkinderbücher dieser Zeit waren Gyo Fujikawas (1908–1998) Band Babies (1963) und Don Freemans Teddybärengeschichte Corderoy (1968), die so stark nachgefragt war, dass später zahlreiche Nachfolgebände entstanden.[62]
Zu den namhaftesten amerikanischen Bilderbuchautoren und -illustratoren zählt Maurice Sendak (* 1928), dessen Caldecott Medal-Buch Wo die wilden Kerle wohnen (1963) ein Bestseller war und der im Laufe seiner weiteren Karriere so hochrangige Kinderbuchpreise wie den Hans Christian Andersen Preis für Illustration, den National Book Award, die Laura Ingalls Wilder Medal und den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis errang. Künstlerisch ambitioniert waren auch die Arbeiten von Beni Montresor (May I Bring a Friend?, 1964), Nonny Hogrogian (* 1932; Always Room for One More, 1965), Evaline Ness (1911–1986; Sam, Bangs, and Moonshine; 1966), Mary Stolz (1920–2006), Juliet Kepes (1919–1979), Sorche Nic Leodhas (1898–1969), Julian Scheer, Harve Zemach, Janina Domanska (ca. 1913–2008), William Sleator (* 1945) und Uri Shulevitz (* 1935).[63]
Einige Bilderbuchserien der 1960er Jahre waren in den USA so erfolgreich, dass sie später zu Fernseh-Animationsserien fortentwickelt wurden. Darunter befinden sich Stan (* 1923) und Jan Berenstains (* 1923) The Berenstain Bears-Bücher, Else H. Minariks (* 1920) Little Bear’s-Bücher und Norman Bridwells (* 1928) Clifford the Big Red Dog-Bücher. Weitere erfolgreiche Bilderbuchautoren und -illustrationen der Zeit waren Eloise Wilkin (1904–1987), Mary Alice Fontenot (1910–2003), Shel Silverstein (1930–1999), Warren Chappell (1904–1991), Hilary Knight (* 1926), Michael Brown (*ca. 1920), Jack Kent (1920–1985), Edna Mitchell Preston und Bernard Waber (* 1924).[64]
Eine Auflage von fast 2 Millionen erreichte auch das didaktische Bilderbuch Never Talk to Strangers (1967) von Irma Joyce, das Vorschulkinder zur Vorsicht gegenüber Fremden anzuhalten versuchte.[65]
Einen viel beachteten Lyrikband für Kinder schuf John Updike (* 1932) mit dem von Trina Schart Hyman illustrierten A Child’s Calendar (1965).
Themen aus der Natur hatten das Caldecott Medal-Bilderbuch The Snowy Day (1962) von Ezra Jack Keats (1916–1983) und The Sun is a Golden Earring (1962) von Natalia M. Belting (* 1915).[66]
Bemerkenswerte Pferderomane der 1960er Jahre waren Hetty Burlingame Beattys (1907–1971) Blitz (1961) und Mebane Holoman Burgwyns (1914–1992) The Crackajack Pony (1970). Andere Tierromane handelten von Hunden (Kävik the Wolf Dog, 1968, von Walt Morey, 1907–1992; Sounder, 1969, von William H. Armstrong, 1911–1999), einem Waschbären (Rascal, der Waschbär, 1963, von Sterling North, 1906–1974) und einer Katze (It’s Like This, Cat, 1963, von Emily Cheney Neville, 1919–1997).[67]
Zu den wichtigsten Kinderbüchern mit christlicher Thematik zählten in den 1960er Jahren die von Joseph A. Grispino, Samuel Terrien und David H. Wice zusammengestellte, in einer Auflage von mehr als 4 Mio. herausgebrachte Kinderbibel The Children’s Bible (1965) und Ed und Barbara Emberleys Caldecott Honor-Buch One Wide River to Cross (1966), ein Bilderbuch, das die Geschichte der Arche Noah nacherzählte. Starke Elemente christlicher Botschaft enthält auch der Abenteuerroman Where the Red Fern Grows von Wilson Rawls (1913–1984), ein Bestseller aus dem Jahre 1961.[68]
Obwohl die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren auf ihren Höhepunkt gelangte, entstanden immer noch wenig Kinderbücher, die die Lebensbedingungen und die Kultur der Afroamerikaner zum Thema hatten. Eine Ausnahme bildet der Roman The Jazz Man (1966) von Mary Hays Weik (*ca. 1898), der von einem schwarzen Jungen in Harlem handelt. Andere Arbeiten erzählen allerdings afrikanische Geschichten, wie die Bilderbücher The Village of Round and Square Houses (1964) von Ann Grifalconi (* 1929), Why the Sun and the Moon Live in the Sky (1968) von Elphinstone Dayrell und Blair Lent (* 1930) und A Story a Story (1970) von Gail E. Haley (* 1939). Das erste viel beachtete Kinderbuch, das von Rassismus und von der Diskriminierung Schwarzer handelte, war der Roman The Cay (1969) von Theodore Taylors (1921–2006), von dem allein im Jahr 1976 mehr als 3 Millionen Exemplare verkauft wurden.[69]
Andere Bücher mit ethnischer Thematik waren der von den pazifischen Inseln erzählende Roman Call It Courage (1961; Armstrong Sperry, 1897–1976) und der von Spanien erzählende Roman Shadow of a Bull (1964; Maia Wojciechowska, 1927–2002). Hal Borlands (1900–1978) Indianerroman When the Legends Die (1963) wurde 1972 mit Richard Widmark verfilmt und wurde 1984 erneut mit mehr als 3 Mio. Exemplaren aufgelegt.[70]
Eine der namhaftesten Persönlichkeiten, die zur amerikanischen Kinder- und Jugendliteratur beigetragen haben, ist der 1935 aus Polen geflohene jiddische Schriftsteller und spätere Literatur-Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1902–1991). Fast alle der 14 Kinderbücher, die Singer geschrieben hat, erzählen von der Geschichte und dem Leben der polnischen Juden. Am bekanntesten sind seine Erzählbände Mazel and Shlimazel (1966), Zlateh die Geiß (1967) und Die Schelme von Schelm (1973), sowie der autobiografische Bericht Eine Kindheit in Warschau (1969), für den Singer 1970 mit einem National Book Award ausgezeichnet wurde.
Mit anderen Abschnitten aus der europäischen Geschichte befassen sich Elizabeth George Speares preisgekröntes Alt-Palästina-Buch The Bronze Bow (1961), die Griechenland-Geschichte Men of Athens (1962) von Olivia Coolidge (* 1908) und der Velázquez-Roman I, Juan de Pareja (1965) von Elizabeth Borton de Treviño (1904–2001).[71]
Andere Kinderbücher der Zeit beschäftigen sich mit Abschnitten aus der amerikanischen Geschichte wie z. B. die The Great Brain-Romane (1967–1995) von John D. Fitzgerald (1906–1988), deren Handlung in Utah am Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Ester Wiers (1910–2000) Buch The Loner (1963) erzählt die Geschichte eines Waisenjungen, der sich als landwirtschaftlicher Wanderarbeiter in Montana durchschlägt. In Brinton Turkles (* 1915) Bilderbuch Thy Friend, Obadiah (1969) geht es um die Erlebnisse eines Quäker-Jungen in Massachusetts.[72]
Der beachtlichste Familienroman der 1960er Jahre war Summer of the Swans (1970) von Betsy Byars (* 1928), der die Geschichte der Schwester eines autistischen Jungen erzählt. 1979 folgte ihr Bestseller Pinballs über drei Kinder in einer Pflegefamilie. Eine ganz andere Familiengeschichte schildert Sulamith Ish-Kishor (1896–1977) in Our Eddie (1969). Im Mittelpunkt dieses Romans steht eine jüdische Familie, die unter der Strenge des Vaters fast zerbricht. Louise Fitzhughs (1928–1974) Roman Harriet the Spy (1964) schildert die Erlebnisse eines Mädchens, das in der reichen Upper East Side von Manhattan aufwächst. [73]
In den 1960er Jahren begannen zwei erfolgreiche Kinder-Krimiserien zu erscheinen: die Alvin Fernald-Romane (1960–1986) von Clifford B. Hicks (* 1920) handeln von einem Jungen, dessen phantastische Erfindungen ihm beim Auflösen von Kriminalfällen helfen; um einen Detektiv-Jungen von fabelhafter Intelligenz geht es auch in Donald J. Sobols (* 1924) Encylopedia Brown-Romanen (seit 1963).[74]
Der sehr populäre und mit einer Newbery Medal ausgezeichnete Roman From the Mixed-Up Files of Mrs. Basil E. Frankweiler (1967) von E. L. Konigsburg (* 1930) handelt von einem altklugen 11-jährigen New Yorker Mädchen, das von zu Hause ausreißt und Zuflucht im Metropolitan Museum of Art sucht. Von einem anderen Großstadtabenteuer, nämlich einem „Krieg“ zwischen Lieferwagenfahrern und fliegenden Händlern, erzählt The Pushcart War (1964) von Jean Merrill (* 1923).[75]
Das Genre der phantastischen Jugendliteratur, das sich in den USA erst spät und zögerlich entwickelt hatte, erlebte in den 1960er Jahren einen deutlichen Aufstieg. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung vor allem von drei Autoren: Madeleine L'Engle (1918–2007), Lloyd Alexander (1924–2007) und Ursula K. Le Guin. Madeleine L'Engle veröffentlichte 1962 ihren Roman A Wrinkle in Time, der von den Zeitreisen drei Kinder berichtet. Gemeinsam mit drei später entstandenen Fortsetzungsbänden bildet A Wrinkle in Time die Tetralogie Time Quartet. Eine ganz andere Art von Phantastik schrieb Lloyd Alexander, der 1964 mit der Veröffentlichung seiner fünfteiligen Serie Die Chroniken von Prydain begann. Die Handlung dieser Fantasy-Romane war in einer von walisischen Sagen inspirierten Mythenwelt angesiedelt. Ursula K. Le Guin schrieb eine Vielzahl von Science Fiction- und Fantasyromanen, von denen der Erdsee-Zyklus (1968–2001) und der Roman Die linke Hand der Dunkelheit (früherer Titel: Winterplanet; 1969) am bekanntesten sind. Für jüngere Leser schrieb Le Guin die Romanserie Catwings (1988–1999) über eine mit Flügeln geborene Katze.
Bereits 1961 war Norton Justers (* 1929) modernes Märchen The Phantom Tollbooth (1961) über einen Jungen erschienen, der durch eine magische Mautstation ins Königreich der Weisheit einreist. Weitere Vertreter der phantastischen Jugendliteratur waren Alexander Key (1904–1979; The Forgotten Door, 1965), Randall Jarrell (1914–1965; The Animal Family, 1965), Zilpha Keatley Snyder (* 1927; The Egypt Game, 1967) und Sylvia Engdahl (* 1933; Enchantress From the Stars, 1970).[76]
An jüngere Kinder adressiert waren die The Littles-Romane (1967–2003) von John Peterson (1924–2002), in deren Mittelpunkt winziger Elfen-artiger Wesen stehen, die unentdeckt im Haushalt einer amerikanischen Familie leben.[77]
Erfolgreiche Science-Fiction-Romanserien schrieben Jerome Beatty Jr. (1916–2002; Matthew Looney-Serie, 1961–1978) und Bertrand R. Brinley (1917–1994; Mad Scientist’s Club-Serie, 1961–68).[78]
Nachdem junge Erwachsene über Jahrhunderte hinweg kaum eine eigene Literatur besessen hatten und stattdessen meist zum Lesen der anerkannten und für jugendgerecht erachteten „Klassiker“ angehalten worden waren, entstand in den USA seit den 1950er Jahren erstmals eine Literatur, die das Leben Jugendlicher auf kritische Weise beschrieb und von der ausschließlich Jugendliche sich angesprochen fühlten. Eine Schlüsselrolle spielt in dieser Entwicklung J. D. Salingers 1951 veröffentlichter Roman Der Fänger im Roggen. Aufgegriffen werden viele der Motive von Der Fänger im Roggen beispielsweise in The Pigman (1968) von Paul Zindel (1936–2003), aber auch in den kommerziell sehr erfolgreichen Romanen von Susan E. Hinton (* 1958), wie Die Outsider (1967), That Was Then, This is Now (1971), Rumble Fish (1975) und Tex (1979). Einen frühen weiblichen Coming-of-Age-Roman schrieb Irene Hunt (1907–2001) mit Up a Road Slowly (1966).[79]
Zu den erfolgreichsten Kinder-Sachbüchern zählt Janet Gaylord Moores mit der Newbery Honor ausgezeichneter Kunst-Band The Many Ways of Seeing: An Introduction to the Pleasures of Art (1968).[80]
Das in den 1960er Jahren entstandene Interesse an Lese- und Bildungsmaterialien für Klein- und Vorschulkinder setzte sich in den 1970er Jahren fort. 1969 hatte der Bildungssender National Educational Television (1970 durch PBS ersetzt) mit der Produktion und Ausstrahlung des Vorschul-Fernsehprogramms Sesame Street begonnen. Bücher zu dieser Serie – wie Grover and the Everything in the Whole Wide World Museum (1974), Grover’s Hide & Seek (1976) und Big Bird’s Color Game (1980) – erreichten bis in die 1980er Jahre hinein Millionenauflagen.
Äußerst populär waren auch die Baby-Fotobilderbücher von Judy und Phoebe Dunn (The Little Duck, 1976, u. a.), die didaktischen Kleinkindbücher von Katherine Howard (My First Picture Dictionary, 1978; Do You Know Colors?, 1979; I Can Count to 100 & Can You?, 1979) und die Arbeiten von Harry McNaught (500 Words to Grow On, 1973; Animal Babies, 1977; The Truck Book, 1978). Weitere erfolgreiche Kleinkinderbücher stammen von Leonard Baskin (1922–2000; Hosie’s Alphabet, 1972), Frank Asch (* 1946; Popcorn – A Frank Asch Bear Story, 1979), Donald Crews (* 1938; Truck, 1980) und Aurelius Battaglia.[81]
Der kommerziell erfolgreichste Bilderbuchautor der 1970er Jahre war der im deutschsprachigen Raum wenig bekannte Illustrator Mercer Mayer (* 1943). Bereits sein 1968 erschienenes Nachtangst-Buch There is a Nightmare in My Closet war in den USA sehr beliebt. 1975 folgte Mayers Little Critter-Serie und 1977 eine weitere Serie, Little Monsters, die beide auf freundliche Weise mit dem Gruseln spielten und deren einzelne Bände bis 1994 27 Mal in den Bestsellerlisten erschienen.[82]
Weitere Bilderbücher, die in den 1970er Jahren Millionenauflagen erreichten, waren The Night Before Christmas (1975, von Clement Clarke Moore, 1779–1863, und Douglas Gorsline, 1913–1985) und die beiden Dinosaurier-Bücher Dinosaurs (1977, von Peter Zallinger) und Danny and the Dinosaur (1978, von Syd Hoff). Erfolgreich waren auch die Arbeiten von Robert Kraus (1925–2001), Lois Utz (1932–1986), Robbie Branscum (1937–1997), Steven Kellogg (* 1941), und von Marc Brown (* 1946), der 1976 mit der Veröffentlichung seiner Arthur-Geschichten begann, die so populär wurden, das PBS von 1996 an eine auf den Büchern basierende Fernseh-Animationsserie (Erdferkel Arthur und seine Freunde) ausstrahlte.[83]
Mit der renommierten Caldecott Medal ausgezeichnet wurden u. a. die Rumpelstilzchen-Adaption Duffy and the Devil (1973; von Harve und Margot Zemach, 1931–1989), The Amazing Bone (1976; von William Steig, 1907–2003), der alttestamentliche Cartoon ohne Worte Noah’s Ark (1977; von Peter Spier, *1927) und A House is a House for Me (1978; von Mary Ann Hoberman). Andere künstlerisch interessante Arbeiten stammen von Cheli Durán Ryan, Carol Fenner (1929–2002), Susan Jeffers (*ca. 1940), Tomie dePaola (* 1934; Strega Nona-Serie), M. B. Goffstein, Mary Ann Hoberman (* 1930), Ilse Plume (* 1968), Joseph Low (1911–2007), Molly Bang (* 1943), Suse MacDonald (* 1940) und Rachel Isadora (* 1953) .