Der Anschlag auf den US-Stützpunkt in Beirut 1983 war einer der wichtigsten Vorfälle während des Libanesischen Bürgerkrieges. Bei dem Anschlag am 23. Oktober 1983 in Beirut mit zwei sprengstoffbeladenen LKWs waren Gebäude betroffen, in denen Truppenteile des US Marine Corps und der französischen Fallschirmjäger der Multinationalen Streitkräfte im Libanon stationiert waren. Dabei wurden insgesamt 299 Soldaten und 6 Zivilisten getötet, 241 davon waren US-Soldaten. Diese Ereignisse zogen den Abzug der internationalen Friedenstruppen nach sich, die seit dem Libanonkrieg 1982 dort stationiert waren.
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Am 23. Oktober 1983 gegen 6:20 Uhr fuhr ein gelber Mercedes-Benz-Lieferwagen zum Flughafen Beirut, wo das 1. Bataillon, 8. US-Marineregiment der 2. US-Marinedivision ihr Hauptquartier eingerichtet hatten. Der Lieferwagen fuhr auf eine Zufahrtsstraße zum eingezäunten Gelände der US-Marines und drehte auf einem Parkplatz. Dann beschleunigte der Fahrer und rammte den Stacheldrahtzaun, der den Parkplatz umschloss, brach zwischen zwei Wachposten durch ein Tor und schoss in die Eingangshalle des Hauptquartiers. Die Wachposten handelten nach den Regeln für den Kampfeinsatz und hatten daher Mühe schnell auf den Lieferwagen zu reagieren, denn zur Zeit des Angriffs trugen die Wachen ihre Waffen zwar geladen aber gesichert und über ihren Schultern.
Der Selbstmordattentäter zündete seinen Sprengstoff mit der Sprengkraft von ca. 5.400 kg TNT. Die Wucht der Explosion ließ das vierstöckige Schlackenbetongebäude in sich zusammenbrechen und begrub dabei viele Soldaten unter sich. Ungefähr 20 Sekunden später ereignete sich ein identischer Anschlag auf das Gebäude „Drakkar“, in dem sich die 3. Kompanie des 6. französischen Fallschirmjägerregiments befand. Der zweite Attentäter fuhr seinen Lieferwagen eine Rampe hinunter in die unterirdische Garage des Gebäudes, zündete seine Bombe und machte das Hauptquartier dem Erdboden gleich.
Die Rettungsaktionen zogen sich über Tage hin. Dabei wurden die Rettungskräfte sporadisch von Scharfschützen behindert. Einige Überlebende wurden aus den Trümmern geborgen und in Krankenhäuser auf der Basis Akrotiri der Royal Air Force auf Zypern, in US- sowie deutsche Krankenhäuser in Westdeutschland ausgeflogen.[1]
Bei den Anschlägen wurden 241 US-Soldaten, davon 220 US-Marines, 18 Matrosen der US Navy und 3 Soldaten der US Army, getötet. Beim zweiten Anschlag auf die französischen Kräfte wurden 58 Fallschirmjäger getötet und 15 verletzt. Zudem wurden ein älterer libanesischer Wächter des Gebäudes der US-Marines sowie die Frau und die vier Kinder eines libanesischen Hausmeisters des französischen Gebäudes getötet.[2] Dies war der verlustreichste Tag des US Marine Corps seit der Schlacht um Iwojima im Zweiten Weltkrieg, bei der an einem Tag 2.500 US-Marines getötet worden waren, und zudem der verlustreichste Tag für die US-Streitkräfte insgesamt seit dem ersten Tag der Tet-Offensive während des Vietnamkrieges, an dem 243 Soldaten getötet wurden.
US-Präsident Ronald Reagan nannte den Anschlag eine „verabscheuungswürdige Tat“ (despicable act) und versprach die militärische Präsenz im Libanon aufrecht zu erhalten. US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger sagte, dass es keine Änderung der US-Strategie für den Libanon geben werde. Am 24. Oktober 1983 besuchte der französische Präsident François Mitterrand den französischen Ort des Anschlags. Es war kein offizieller Besuch und er blieb auch nur ein paar Stunden, jedoch erklärte er: „Wir werden bleiben.“ (We will stay.). Zwei Tage später, am 26. Oktober, besuchte der US-Vizepräsident George H. W. Bush den Ort, an dem das Gebäude der Marines gestanden hatte, und sagte, dass „sich die Vereinigten Staaten nicht von Terroristen einschüchtern lassen würden“ (would not be cowed by terrorists).
Als Antwort auf die Anschläge starteten die Franzosen einen Luftschlag auf die Bekaa-Ebene gegen Positionen der Iranischen Revolutionsgarde. US-Präsident Reagan plante mit seinem Nationalen Sicherheitsrat einen Angriff auf die Scheich-Abdullah-Kaserne in Baalbek im Libanon, von der vermutet wurde, dass die Iranische Revolutionsgarde hier Hisbollah-Kämpfer ausbilden würde.[3] Jedoch stoppte US-Verteidigungsminister Weinberger die Mission, da er eine Schädigung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und anderen arabischen Nationen befürchtete.
Die Truppen des US Marine Corps wurden auf See stationiert, wo sie nicht angegriffen werden konnten. Am 7. Februar 1984 befahl US-Präsident Reagan den Abzug der US-Marines aus dem Libanon, welcher bis zum 26. Februar abgeschlossen war. Der Rest der multinationalen Streitkräfte wurde bis zum April abgezogen.
Es ist bis heute nicht klar, wer für den Anschlag verantwortlich ist. Jedoch haben verschiedene militante schiitische Gruppen die Verantwortung übernommen. Eine davon, die Freie Islamische Revolutionsbewegung, identifizierte die Attentäter als Abu Mazen und Abu Sijaan. [4] Eine andere Möglichkeit der Verantwortlichkeit sind die militanten Gruppen, die sich später zur Hisbollah, unterstützt vom Iran und Syrien, zusammenschlossen, als Urheber der Anschläge.[5] Die Hisbollah, Iran und Syrien bestreiten aber bis heute jegliche Beteiligung, vor einem US-Gericht wurde der Iran jedoch 2007 zur Zahlung von 2,65 Milliarden US-Dollar an die Hinterbliebenen verurteilt. [6]
Der beschriebene Anschlag und ein früherer Anschlag auf die US-Botschaft in Beirut im April 1983 brachten den Inman Report, eine Neubewertung der Sicherheitslage von US-Einrichtungen auf der ganzen Welt durch das US-Außenministerium, hervor.
In seinem Buch „Der Mossad“ [7] behauptete der ehemalige Katsa Victor Ostrovsky, dass der Mossad von den Anschlagsplänen wusste, die US-Nachrichtendienste jedoch nicht informierte. Es wurde vermutet, dass Israel die US- und französischen Truppen aus dem Libanon haben wollte, um frei operieren zu können.